Rauhnachtwanderung besucht die Weiße Mühle

Zur 4. Laternenwanderung in der Rauhnacht hatte der Freundeskreis der Kartause Estenfeld e. V. am 05. Januar 2017 eingeladen.

Beim einstündigen Rundgang durch den historischen Ortskern erzählte der „Prior“

Prior Schmal mit Peter Pospiech und Pfarrer Joachim Bayer

der Kartause Estenfeld, „Johann Baptist Schmal“, alias Apotheker Benedikt Koch, „Gschichtli“ und Geschichte aus Estenfeld.

In diesem Jahr führte die Wanderungen zu den Banken von Estenfeld, zum Feuerwehrhaus, der Grundschule, zum Sängerheim und zur Weißen Mühle.

Am Gemeindeparkplatz begrüßte der „Prior Schmal“ Groß und Klein Er hob die Besonderheit der Rauhnächte zwischen Weihnachten und Heilige-Drei-Könige hervor. In diesen Nächten ziehen pelzige Dämonen umher, früher wurden Ställe mit Weihrauch beräuchert, um diese zu vertreiben.

Die erste Station der Wanderung war das Bankenviertel in der Riemenschneiderstraße, wo sich heute die Raiffeisenbank und die Sparkassen-Filiale befinden. Mit der Idee des Darlehenskassenvereins durch Friedrich Wilhelm Raiffeisen wurde in Estenfeld am 02.12.1894 der Spar- und Darlehensverein Estenfeld durch Lehrer Emil Köbert in Estenfeld gegründet. Heute befindet sich das Stammhaus der Raiffeisenbank Estenfeld Bergtheim e.G. neben der Sparkassen-Filiale.

In der Nachbarschaft liegt das Feuerwehrgerätehaus, mit dem Motto „Gott zur Ehr, dem nächsten zur Wehr!“ wurde die erste Feuerspritze 1823 in Estenfeld angeschafft und die Freiwillige Feuerwehr Estenfeld geründet. Am Feuerwehrgerätehaus stellte Prior Schmal die technische Ausrüstung der 60 Feuerwehrkameraden vor, die von den Kommandanten Konrad Hasch und Julian Koppenhöhl angeführt werden.

Eine weitere Station war die Grundschule, das Schulwesen wurde mit den ersten Aufzeichnungen aus dem Jahre 1518 und der Erwähnung eines Schulhauses an der Kirche aus dem Jahre 1586 schon im Mittelalter etabliert. Das alte Schulhaus wurde 1873 vor der Schäferei „an der Rittergasse“ errichtet und ist heute das Rathaus von Estenfeld. Im Jahre 1969 wurde die Verbandsschule Kürnachtal mit der Grund- und Hauptschule gebaut.

Am Kreisverkehr am Seniorenzenturm gab es dann einen Überblick über die frühe Besiedelung. Es wurden verschieden Funde von der letzte Eiszeit bis in die Hallstattzeit 400 v Chr in Estenfeld entdeckt. Aufgrund der vielen Fundstellen geht man davon aus, dass die Besiedlung durch das sog. „Wanderbauerntum“ erfolgte. Die Flächen wurden wegen Nährstoffverarmung aufgegeben und an einer neuen Stelle bearbeitet. Die zahlreichen Grabhügeln im Kapellenholz und die Funde bei Baumaßnahmen bezeugen die reiche Frühgeschichte.

Die Weiße Mühle ist seit 1144 als Lehen des Bürgerspitals als Seemühle bekannt.

Die Geschichte der Weißen Mühle

1602 kaufte die Kartause Engelgarten die erste Hälfte der Mühle und 1666 die zweite Hälfte. Damals ging der Weg zum Mühlberg direkt durch den heutigen Hof der der Weißen Mühle. Die Kartäuser bauten dann den Mitteltrakt und im Zuge der Säkularisation 1803 wechselte der Besitz der Mühle mehrmals. 1966 erwarb die Gemeinde Estenfeld das Areal und sanierte die Weiße Mühle. 1987 begann der Bau der angrenzenden Mehrzweckhalle.

Weiter ging es zum Sängerheim in der Lengfelderstraße. Die Sängervereinigung 1890 Estenfeld e.V. hat sich aus dem kirchlichen Gesangsverein „Liederkranz“ und dem Arbeitergesangsverein „Eintracht“ gegründet. Im Zuge der Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten sollten beide Vereine zwangsvereinigt werden, ab 1935 gab es keine Aktivitäten mehr. Im Jahre 1949 wurde dann die Vereinigung zur heutigen Sängervereinigung 1890 Estenfeld e.V. als Männerchor vollzogen und das Sängerheim durch die Mitglieder gebaut. Seit 2013 gibt es auch einen gemischten Chor.

Das Ende der Wanderung durch die Geschichte von Estenfeld fand im historischen Hof der Kartause aus dem Jahre 1668 statt. Seit 1345 waren die Mönche der Kartause Engelgarten aus Würzburg durch Schenkung und Grunderwerb die Dorfherren von Estenfeld. Sie bauten im Jahr 1700 eine Klosterkirche, die im Zuge der Säkularisation 1810 abgerissen wurde.

Der gesellige Ausklang der Wanderung fand im Hof der Kartause bei Glühwein, Punsch, Pfeffernüssen, Rauhnachtlikör und Gulaschsuppe von den Maltesern statt.

Ausklang im Hof der Kartause Engelgarten

Der vordere Teil der Kartause ist seit 2001 im Besitz der Gemeinde Estenfeld. Seit dem 1. Juli 2016 ist die Gemeinde Alleineigentümerin des 17.000 m² umfassenden historischen Areals. Mit dem Kauf der sog. hinteren Kartause wurde die Teilung durch die Säkularisation von 1803 rückgängig gemacht.

 

 

 

 

 

 

Mit der Laternenwanderung in der Rauhnacht möchte der Freundeskreis der Kartause Estenfeld e. V. für die Reaktivierung der Kartause als dörfliches Zentrum werben.

Abschluss mit Gulaschsuppe vom Malteser Hilfsdienst Estenfeld, Glühwein und Punsch

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